Stephen King: »Puls«

Puls habe ich vor einigen Jahren in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden.

Dort schaue ich tatsächlich immer mal wieder nach Büchern von Stephen King. Denn so gern ich seine Bücher lese, würde es mich vermutlich finanziell ruinieren, jedes einzelne davon zu kaufen.

Als ich Puls im Regal stehen sah, war die Entscheidung deshalb ziemlich schnell getroffen: Stephen King. Kannte ich noch nicht. Also eingepackt. Ich habe damals nicht einmal auf den Klappentext geschaut.

Danach stand das Buch erst einmal ein paar Jahre in meinem Bücherregal. Es zog mit mir um und bekam schließlich sogar einen Platz im nächsten Bücherregal. Das ist insofern gar nicht so selbstverständlich, weil ich irgendwann meine Bibliothek ziemlich radikal verkleinert habe. Von sehr vielen Büchern habe ich mich getrennt.

Meine Stephen Kings durften bleiben.

Auch Puls.

Gelesen habe ich es trotzdem erst jetzt.

Vor Kurzem hatte ich wieder richtig Lust auf Stephen King und habe mir einige seiner Bücher aus dem Regal gezogen, die ich noch nicht kannte. Zuerst wurde es noch einmal Fairy Tale. Danach fiel meine Wahl auf Puls. Diesmal habe ich auch den Klappentext gelesen.

Und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem ich selbst beschlossen hatte, mein Handy weniger zu benutzen, sprach mich die Geschichte ziemlich schnell an.

Zum Buch

Das Grauen kommt nicht aus Gräbern oder aus dem Weltraum. Es ist mitten unter uns und steckt in jeder Handtasche. Das Handy ist ein moderner Heilsbringer, doch kommen mit dem Klingelton Wahnsinn und Tod.

Clayton Riddell ist geschäftlich in Boston und macht sich gerade auf die Heimfahrt, da geht die Welt unter. Alle Menschen, ein Handy am Ohr haben, laufen wie auf einen geheimen Befehl hin Amok. Clay will unbedingt herausfinden, wie es um seine Frau und vor allem um seinen Sohn Johnny steht, der gerade in der Schule war, als der mörderische Irrsinn losging. Zu ihm muss Clay Kontakt aufnehmen, bevor ein anderer es per Handy tut. Die Suche nach Johnny wird zur Schreckensmission durch eine apokalyptische Welt.

Klappentext Heyne, Stephen King
Die Figuren

Mit Clay hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten. Obwohl er die Hauptfigur ist, ging er mir zunächst eher auf die Nerven und ich brauchte eine ganze Weile, bis ich wirklich etwas mit ihm anfangen konnte.

Ganz anders war es bei Tom. Den fand ich von Anfang an interessant und hätte tatsächlich nichts dagegen gehabt, wenn er statt Clay die Hauptfigur gewesen wäre. Ich mochte seine Art und wollte ziemlich schnell mehr über ihn erfahren.

Und dann war da Alice.

Alice mochte ich ebenfalls sehr schnell und sie wurde im Laufe der Geschichte zu einer der Figuren, die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Was mir irgendwann ein bisschen zum Verhängnis wurde.

Mindestens genauso spannend wie die einzelnen Figuren fand ich allerdings die Menschen auf der anderen Seite der Geschichte. Vor allem die Frage, was mit ihnen eigentlich passiert und was genau dahintersteckt, hat mich immer weiterlesen lassen.

Die Sprache

Im Gegensatz zu Fairy Tale hat mich Puls sofort in die Geschichte gezogen. Ich habe das Buch auch deutlich schneller verschlungen, weil ich eigentlich die ganze Zeit nur wissen wollte: Was zum Fick ist hier eigentlich los?

Von Stephen King bin ich es eher gewohnt, dass er mich langsam in seine Geschichten hineinführt. Ich lerne die Figuren kennen, kann mich ein bisschen an sie gewöhnen und irgendwo im Hintergrund beginnt es langsam unangenehm zu werden.

Bei Puls war dafür offenbar keine Zeit.
Hier tritt King einem gefühlt nach ein paar Seiten ins Knie und dann geht es los.

Gerade dieses abrupte Tempo hat für mich aber unglaublich gut funktioniert. Es blieb kaum Zeit, sich gemütlich in der Geschichte einzurichten, weil ich genauso wenig wusste, was eigentlich gerade passiert, wie die Figuren selbst.

Sprachlich ist es dabei trotzdem genau der King, den ich so gerne lese. Seine Art zu erzählen funktioniert für mich einfach und auch diesmal hatte ich sehr schnell das Gefühl, nicht nur zuzuschauen, sondern mitten in der Geschichte zu stecken.

Mein Fazit

Am Anfang hat King mich ganz kurz auf eine falsche Fährte gelockt. Und kaum dachte ich, ich hätte vielleicht eine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, setzte er einfach noch einen drauf.

Ab da war es eigentlich vorbei.

Ich habe Puls regelrecht durchgesuchtet, weil ich unbedingt wissen wollte: Was zur Hölle hat dieser Mann da vor? Was passiert hier eigentlich? Warum? Weshalb? Wieso?

Ich bin durch diese Geschichte gehetzt wie die Figuren selbst und hatte vermutlich mindestens genauso oft Fragezeichen im Kopf und meinen ganz persönlichen What the Fuck Moment. Und genau das hat für mich unglaublich gut funktioniert. Ich wollte verstehen, was passiert, habe mitgefiebert und konnte das Buch irgendwann kaum noch aus der Hand legen.

Für mich ist Puls deshalb definitiv ein sehr gutes Buch und eines, das mir noch eine Weile im Kopf bleiben wird.

Und ich konnte mich beim Lesen des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass Stephen King und Handys zu der Zeit, als er diese Geschichte geschrieben hat, vielleicht nicht gerade die besten Freunde waren. Ein bisschen kann ich das sogar nachvollziehen.
Vielleicht sollte der eine oder andere nach Puls den eigenen Handykonsum noch einmal überdenken.

Nur für alle Fälle.