Sukkot: Von gutem Essen und gemütlichen Herbsttagen

Sukkot ist ein mehrtägiges jüdisches Fest, das nur wenige Tage nach Jom Kippur beginnt. Es erinnert unter anderem an die Zeit, in der das jüdische Volk nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste zog und in einfachen, provisorischen Behausungen lebte. Gleichzeitig ist Sukkot ein Erntefest. Es geht um Dankbarkeit, um Vergänglichkeit und darum, sich bewusst zu machen, dass vieles, was uns Sicherheit gibt, eben nicht selbstverständlich ist.
Traditionell werden zu Sukkot Laubhütten gebaut. In ihnen wird gegessen, zusammengesessen und Zeit verbracht, manche Menschen schlafen sogar darin.


Ich habe keine Laubhütte gebaut.


Wäre auf meinem Balkon vermutlich ohnehin ein interessantes Unterfangen geworden.
Aber ich habe in den vergangenen Tagen gemerkt, dass ich Sukkot trotzdem auf meine eigene Art begehe.
Vielleicht sogar, ohne es anfangs bewusst so geplant zu haben.


Der Herbst ist inzwischen deutlich angekommen und mit ihm dieses Bedürfnis, es sich zu Hause wieder ein bisschen gemütlicher zu machen. Ich habe angefangen, herbstlich zu dekorieren. Ich habe Kürbissuppe gekocht und Möhreneintopf. Beides Essen, das für mich ziemlich eindeutig in diese Jahreszeit gehört. Ich habe Marmelade eingekocht und einen kleinen Vorrat angelegt. Nicht, weil ich mich auf einen monatelangen Winter in einer einsamen Berghütte vorbereite, sondern einfach, weil ich den Gedanken mag, etwas für später da zu haben.
Ich habe Tee getrunken, gelesen und geschrieben.
Und ich habe versucht, ein bisschen Geschwindigkeit aus meinen Tagen zu nehmen.
Vielleicht gefällt mir genau das an Sukkot gerade so gut.


Nach Rosch Haschana und Jom Kippur, nach Rückblick, Neubeginn, Nachdenken und Versöhnung, fühlt sich dieses Fest für mich ein bisschen anders an. Weniger nach einer großen inneren Aufgabe und mehr nach einem Innehalten.
Der Sommer ist vorbei. Die Tage werden kürzer. Draußen wird es kühler und drinnen langsam wieder gemütlicher.
Vielleicht muss ich daraus gar keine große Erkenntnis ziehen.
Vielleicht reicht es, eine Suppe zu kochen. Marmelade für später ins Regal zu stellen. Eine Kerze anzuzünden. Mit einer Tasse Tee und einem Buch im Lesesessel zu sitzen. Zu schreiben, wenn mir danach ist.
Und wahrzunehmen, was gerade da ist.


Ich merke bei meiner Beschäftigung mit den jüdischen Feiertagen in diesem Jahr immer mehr, dass ich nicht versuche, etwas nachzuholen oder Traditionen nachzubauen, die ich nie gelernt habe. Ich kann sie kennenlernen. Ich kann schauen, was sie mit mir machen. Und ich kann herausfinden, was davon vielleicht irgendwann ganz selbstverständlich zu meinem eigenen Leben gehört.
Bei Sukkot fühlt sich das erstaunlich einfach an.


Ich habe keine Laubhütte gebaut.


Aber vielleicht habe ich mir in diesen Tagen trotzdem eine kleine gebaut.
Nur eben aus Kürbissuppe, Marmeladengläsern, Büchern, Tee und ein bisschen mehr Zeit.