Meinen Geburtstag habe ich in diesem Jahr erst einmal viereinhalb Stunden im ICE verbracht.
Es ging nach Bayern.
Damit sich das Ganze trotzdem ein bisschen nach Geburtstag anfühlte, hatte ich vorher am Berliner Hauptbahnhof für die entsprechende Reiseverpflegung gesorgt: einen Kaffee und ein ziemlich fettes Pistaziencroissant.
Und weil ich an meinem Geburtstag offenbar auch selbst für meine Geschenke zuständig war, hatte ich mir außerdem noch Strickzeug geschenkt.
So saß ich schließlich mit Kaffee, Pistaziencroissant und meinem Geburtstagsgeschenk im Zug und fuhr Richtung München.
In München angekommen, bezog ich erst einmal mein Hotelzimmer.
Große Geburtstagspläne hatte ich für den Abend nicht mehr. Stattdessen besorgte ich mir Sushi und Kimchi Salat, nahm beides mit zurück ins Hotel und machte es mir im Bett gemütlich.
Und ehrlich gesagt war das eine ziemlich gute Art, meinen Geburtstag ausklingen zu lassen.
Sushi, Kimchi Salat, ein Hotelbett und keinerlei Verpflichtung, noch irgendetwas erleben zu müssen.
Der eigentliche Grund für meine Reise wartete ohnehin am nächsten Morgen auf mich. Mein Sohn sollte bei den Gebirgsjägern in Aschau vereidigt werden.






Also ging es am nächsten Tag von München aus weiter.
Und spätestens auf dem Weg nach Aschau wurden die Berge irgendwann ziemlich unübersehbar.
Ob ich die Alpen an diesem Tag tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, kann ich allerdings gar nicht mit Sicherheit sagen.
Meine Uroma ist mit mir viel gereist, als ich klein war, und manchmal tauchen bis heute Orte auf, bei denen ich nicht genau weiß: War ich da eigentlich schon einmal mit ihr?
Es kann also durchaus sein, dass ich als kleines Kind schon einmal vor den Alpen gestanden habe.
Aber wenn, dann habe ich keine Erinnerung mehr daran.
Diese Reise war deshalb zumindest das erste Mal, dass ich die Alpen ganz bewusst gesehen habe.
Von München fuhr ich zunächst mit dem Regionalexpress bis Prien und stieg dort in eine kleine Bahn um, die mich weiter nach Aschau brachte.
Und spätestens da begann für mich der eigentlich schöne Teil der Anreise.
Die kleine Bahn fuhr immer weiter Richtung Berge und tutete gefühlt an jedem Bahnübergang. Währenddessen saß ich am Fenster, schaute nach draußen und konnte eigentlich gar nicht mehr aufhören, die Landschaft anzustarren.
Die Alpen kamen immer näher.
Und ich war vollkommen fasziniert.
Als ich schließlich in Aschau ausstieg, war mein erster Gedanke allerdings eher: Hm.
Dieser Eindruck hielt nicht besonders lange.
Auf dem Weg zum Festplatz entschied ich mich bewusst gegen die Hauptstraße und nahm stattdessen einen Weg an einem breiten Bach entlang.
Und plötzlich war es da.
Mein komplettes Heidi Gefühl.
Berge im Hintergrund, das Wasser neben mir, die Häuser und diese Landschaft und in meinem Kopf lief selbstverständlich erst einmal die Titelmusik von Heidi.
Ich lief also weiter Richtung Festplatz, bestaunte die Gegend und war ziemlich schnell sehr froh darüber, nicht einfach an der Hauptstraße entlanggegangen zu sein.






Aschau hatte mich überrascht.
Am Festplatz angekommen, begrüßte ich erst einmal meinen Sohn, der mir noch ein bisschen die Gegend zeigte, bevor die eigentliche Vereidigung begann.
Und die war für mich tatsächlich sehr berührend.
Danach überlegten wir, was wir mit dem restlichen Tag noch anfangen könnten. Wir schauten nach Zugverbindungen, schoben unsere ursprünglich geplanten Züge ein bisschen hin und her und stellten fest: Ein Abstecher an den Chiemsee passt noch rein.
Also machten wir uns auf den Weg.
Der Chiemsee war wunderschön.
Vor allem die Farbe des Wassers hat mich sofort fasziniert. Dieses Türkis, dahinter die Landschaft und dazu war es erstaunlich ruhig. Es waren zwar andere Menschen unterwegs, aber längst nicht so viele, wie ich erwartet hätte.
Wir standen eine ganze Weile direkt am Wasser und setzten uns irgendwann auf eine Bank. Dort saßen wir einfach, haben gequatscht, aufs Wasser geschaut und Butterkekse gegessen.
Irgendwann mussten wir allerdings feststellen, dass Butterkekse zwar eine hervorragende Zwischenmahlzeit am Chiemsee sind, aber kein besonders überzeugendes Mittagessen.
Wir hatten Hunger.
Also suchten wir nach einem Restaurant in der Nähe, landeten schließlich bei einem Italiener und ließen den Ausflug bei Pizza und Pasta ausklingen.
Mit dem gemütlichen Ausklang wurde es allerdings nichts.
Denn wir hatten die Zeit ein bisschen aus den Augen verloren.
Den Rest meiner Pizza ließ ich mir einpacken und dann mussten wir ziemlich zügig zum Bahnhof, damit wir unseren Zug noch erwischten und mein Sohn später in München seinen ICE nach Hause nicht verpasste.
Das klappte zum Glück.
In München verabschiedeten wir uns, mein Sohn machte sich auf den Weg zu seinem Zug und ich hatte noch ungefähr eine Stunde Zeit, bis meiner fahren sollte.
Also setzte ich mich noch ein bisschen in die Sonne, holte mir einen großen Kaffee und ein Eis und genoss die letzte Stunde meines kleinen Bayern Ausflugs.
Zumindest dachte ich, dass es die letzte Stunde wäre.
Die Deutsche Bahn hatte andere Pläne.
Mein Zug hatte ordentlich Verspätung und ich kam schließlich ungefähr eine Stunde später als geplant in Berlin an. Damit waren auch meine letzten Verbindungen nach Hause weg.
Also endete meine Reise nicht zu Hause, sondern mit einer spontanen Übernachtung bei einer Freundin in Berlin.
Erst am nächsten Morgen kam ich schließlich wirklich wieder zu Hause an.