Stephen King: »Fairy Tale«

Dass ich ein großer Stephen King Fan bin, dürfte für die meisten Menschen, die mich kennen, keine große Überraschung sein. Und wer mich ein bisschen besser kennt, weiß vermutlich auch, dass »Der Talisman«, den King gemeinsam mit Peter Straub geschrieben hat, mein absolutes Lieblingsbuch von ihm ist.

Über »Fairy Tale« habe ich tatsächlich schon einmal geschrieben. Im Februar 2023 erschien eine kurze Rezension von mir bei Ippen.Media. Damals allerdings deutlich kürzer und sachlicher als das, was jetzt daraus geworden ist.


Denn vor Kurzem habe ich »Fairy Tale« noch einmal aus dem Regal gezogen.
Und schon nach den ersten Kapiteln war es wieder da: dieses ganz bestimmte Talisman Gefühl.
Nicht, weil King hier dieselbe Geschichte noch einmal erzählt. »Fairy Tale« ist ganz klar seine eigene Geschichte. Aber wieder ist da ein Junge, der sich auf eine fantastische Abenteuerreise begibt und dabei in eine Welt gerät, in der Märchenhaftes und Bedrohliches ganz selbstverständlich nebeneinander existieren.


Zum Buch

Der siebzehnjährige Charlie Reade hat kein leichtes Leben. Seine Mutter starb, als er sieben war, und sein Vater ist dem Alkohol verfallen. Eines Tages offenbart ihm der von allen gemiedene mysteriöse Nachbar auf dem Sterbebett ein Geheimnis, das Charlie schließlich auf eine abenteuerliche Reise in eine andere, fremde Welt führt. Dort treiben mächtige Kreaturen ihr Unwesen. Die unterdrückten Einwohner sehen in Charlie ihren Retter. Aber dazu muss er erst die Prinzessin, die rechtmäßige Gebieterin des fantastischen Märchenreichs, von ihrem grausamen Leiden befreien.

Klappentext Heyne, Stephen King

Die Figuren


Dass ich mich wieder sofort in Radar verliebt habe, dürfte vermutlich niemanden überraschen, der mich ein bisschen kennt. Ich mag schließlich nicht nur Katzen, sondern habe auch ein ziemlich großes Herz für Hunde. Und Radar macht es einem wirklich leicht, sie ins Herz zu schließen.

Mit Charlie hatte ich es dagegen auch diesmal anfangs etwas schwerer. Ich fand ihn nicht unsympathisch, aber zunächst blieb er für mich merkwürdig weit weg. Sehr viel interessanter fand ich wieder Mr. Bowditch, Radars eigenwilliges Herrchen, bei dem ich von Anfang an wissen wollte, was eigentlich hinter diesem verschlossenen alten Mann steckt.

Das änderte sich auch diesmal erst, als Charlie immer tiefer in die eigentliche Geschichte und schließlich in diese andere Welt eintauchte. Ab diesem Moment konnte ich auch mit ihm mitfiebern. Wobei ich zugeben muss, dass meine Sorge meistens trotzdem eher Radar galt.
Auch bei den Figuren, denen Charlie später in der fremden Welt begegnet, war ich ziemlich unterschiedlich begeistert. Manche fand ich unglaublich spannend und hätte gern noch viel mehr über sie erfahren. Mit anderen konnte ich dagegen deutlich weniger anfangen und die eine oder andere ging mir mit der Zeit sogar ein bisschen auf die Nerven.


Die Sprache


Was soll ich über die Sprache eines Stephen King schreiben, ohne mich ständig zu wiederholen?
Ich liebe Stephen Kings Art zu erzählen. Seine Beschreibungen, die Art, wie er Figuren zeichnet, und vor allem diese Fähigkeit, mich so tief in eine Geschichte hineinzuziehen, dass ich irgendwann nicht mehr das Gefühl habe, ein Buch zu lesen, sondern mich mittendrin befinde.
Auch bei »Fairy Tale« war das für mich wieder so. King nimmt sich Zeit für seine Geschichte, für seine Figuren und für die Welt, die er entstehen lässt. Und genau das mag ich. Ich kann regelrecht in seinen Geschichten versinken und alles um mich herum vergessen.


Mein Fazit


»Der Talisman« bleibt meine Nummer eins. Daran konnte auch das Wiederlesen von »Fairy Tale« nichts ändern. Aber verdammt, dieses Buch steht noch immer ziemlich weit oben in meiner persönlichen Stephen King Rangliste.
Vielleicht liegt es gerade daran, dass »Fairy Tale« bei mir auch diesmal wieder dieses besondere Talisman Gefühl ausgelöst hat. Ein Junge, eine fantastische Reise, eine fremde Welt und dieses Gefühl, unbedingt wissen zu wollen, was hinter der nächsten Ecke wartet.
Stephen King gehört ohnehin zu den Autoren, bei denen ich ziemlich zuverlässig in einen Lesesog gerate. Tatsächlich gibt es bisher nur ein einziges Buch von ihm, das ich überhaupt nicht leiden konnte. Bei allen anderen besteht bei mir akute Suchtgefahr.