Dänemark im Frühling 2026: Urlaub, der Dritte

Eigentlich war der Urlaub dieses Jahr Anfang März geplant, doch diverse Umstände haben es erst im Mai möglich gemacht.

Bei meinen ersten beiden Reisen nach Dänemark hatte ich immer etwas geplant. Orte, die ich sehen wollte, ein Museum, einen Ausflug, ein bisschen Shopping. Als ich dann zum dritten Mal nach Augustenborg fuhr, wollte ich genau das diesmal nicht.

Ich hatte ganz bewusst keine Aktivitäten geplant.

Keine Liste mit Dingen, die ich noch sehen wollte. Keine Ausflüge, die unbedingt stattfinden mussten. Ich wollte ein paar Tage in Augustenborg verbringen, lange Spaziergänge machen, lesen und die Ruhe genießen.

Und genau das habe ich gemacht.

Ich kannte den Ort inzwischen von meinen beiden vorherigen Reisen. Diesmal war es Frühling und allein dadurch sah vieles wieder ein bisschen anders aus.

Ich nahm mein Buch und ging in den Schlosspark. Bei meiner ersten Reise hatte ich dort den Platz entdeckt, an dem Hans Christian Andersen über seine Geschichten nachgedacht haben soll. Diesmal wollte ich dort nicht nur vorbeischauen, sondern mich ganz bewusst hinsetzen und selbst lesen.

Mein Buch war »Die Mitternachtsbibliothek« von Matt Haig.

Was sich allerdings als eher ungünstige Wahl erwies, wenn man einen entspannten Vormittag unter einem Baum verbringen möchte.

Schon nach den ersten Kapiteln musste ich immer wieder aufhören. Das Buch hat mich an diesem Tag so sehr berührt, dass ich teilweise nach jedem Kapitel eine Pause brauchte.

Irgendwann saß ich da und dachte: Okay. Ich lese jetzt nicht weiter. Ich heule ja nur noch.

Also klappte ich das Buch zu und ging spazieren.

Ich lief am Augustenborg Fjord entlang. Ohne bestimmtes Ziel und ohne vorher zu überlegen, wie lange ich unterwegs sein wollte.

Irgendwann kam mir ein Jogger entgegen.

Und danach für ungefähr zwei Stunden niemand mehr.

Nur das Wasser, die Landschaft und ich.

Und nach einem Vormittag, an dem ein Buch offenbar beschlossen hatte, einmal sämtliche möglichen Lebensentscheidungen in meinem Kopf durchzuschütteln, war das vielleicht genau das Richtige.

Ich bin einfach weitergelaufen. Habe nachgedacht, Gedanken kommen und wieder gehen lassen und versucht, auf meine eigene innere Stimme zu hören.

Nicht, weil ich an diesem Tag unbedingt Antworten finden wollte.

Sondern weil es endlich einmal still genug war, sie überhaupt zu hören.

Auf dem Rückweg blieb ich diesmal etwas länger in Flensburg.

Denn neben Dänemark gab es noch einen anderen Grund, warum ich mir für diese Reise etwas mehr Zeit genommen hatte: Zu diesem Zeitpunkt spielte ich ziemlich konkret mit dem Gedanken, nach Schleswig Holstein und näher an die dänische Grenze zu ziehen.

Also habe ich mir in Flensburg ein oder zwei Wohnungen angesehen. Nicht, weil ein Umzug bereits unmittelbar bevorstand, sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sein könnte, dort tatsächlich zu leben.

Eigentlich wollte ich mir außerdem Dagebüll und die Umgebung genauer ansehen. Denn wenn es mich irgendwann in den Norden zieht, dann eher Richtung Nordsee als Richtung Ostsee. Diese Besichtigungen habe ich schließlich komplett auf einen anderen Zeitpunkt verschoben.

Inzwischen haben sich auch meine Umzugspläne erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Wunsch ist trotzdem noch da.

Vielleicht werde ich irgendwann tatsächlich näher an der dänischen Grenze und der Nordsee leben. Wann das sein wird, weiß ich nicht.

Und gerade muss ich es auch nicht wissen.

Vielleicht war das sogar das Schönste an diesen paar Tagen im Mai: Ich bin ohne Programm nach Augustenborg gefahren und ohne fertigen Plan für meine Zukunft wieder nach Hause gekommen.

Und beides war vollkommen in Ordnung.