Ein verregneter Tag in Potsdam mit Frank Schätzing und David Bowie

Potsdam liegt von mir aus nun wirklich nicht am anderen Ende der Welt. Trotzdem war ich bisher genau einmal ganz kurz dort und hatte von der Stadt eigentlich kaum etwas gesehen.

Als ich also eine Karte für die Spaceboy Lesung von Frank Schätzing in der Villa Jacobs hatte, beschloss ich, nicht einfach nur zur Lesung zu fahren, sondern gleich einen ganzen Tag daraus zu machen. Und wenn ich schon einmal in Potsdam war, wollte ich natürlich auch ein bisschen was sehen.

Also ging es zuerst ins Holländische Viertel.
Ich lief durch die Straßen, schaute in Vintage Läden, Antiquitätenläden und Buchhandlungen und machte zwischendurch das, was bei einem solchen Ausflug meiner Meinung nach unbedingt dazugehört: Kaffee und Kuchen.

Irgendwann machte ich mich schließlich auf den Weg zur Villa Jacobs, denn dort sollte am Abend Frank Schätzing aus seinem Buch Spaceboy lesen.
Wobei „Lesung“ den Abend eigentlich nur teilweise beschreibt.

Schon der Ort war etwas Besonderes. Die Villa Jacobs und das Gelände drumherum boten eine großartige Kulisse für einen solchen Abend.

Das Wetter war allerdings anderer Meinung.
Es war nass, kalt und ziemlich ungemütlich. Ein Teil des Publikums saß unter einem Baldachin, andere unter Regenschirmen und irgendwann war eigentlich vollkommen klar, dass dieser Abend wettertechnisch nicht mehr zu retten war.

Und trotzdem wurde das irgendwann nebensächlich.
Weil Frank Schätzing eben nicht einfach nur aus seinem Buch las.

Er erzählte.

Über Spaceboy, über David Bowie, über Kreativität und darüber, dass zum Erfolg auch das Scheitern gehört.
Und irgendwann saß ich da und dachte nur:

Ja, scheiße.

Das passt aber auch ziemlich gut zu mir.
Besonders hängen geblieben ist mir der Gedanke, dass Neues eben nicht unbedingt entsteht, wenn man immer auf dem sicheren, hell erleuchteten Weg bleibt. Manchmal muss man auch in die dunkleren Seitenstraßen abbiegen, etwas ausprobieren und dabei riskieren, ordentlich auf die Fresse zu fallen.

Gerade zu diesem Zeitpunkt in meinem eigenen Leben hätte mich dieser Gedanke vermutlich kaum besser treffen können.

Denn Scheitern gehört auch zu meiner Geschichte.
Dinge ausprobieren ebenfalls.

Und inzwischen vielleicht auch ein bisschen mehr die Bereitschaft, nicht immer nur den Weg zu nehmen, bei dem ich vorher schon weiß, wohin er führt.
An diesem Abend ging es aber auch darum, warum Menschen überhaupt kreativ sind.

Schätzing sprach darüber, dass Kreative Dinge nach draußen bringen müssen und dass das auch eine Möglichkeit sein kann, mit den eigenen Dämonen umzugehen.
Und schon wieder saß ich da und dachte:

Ja. Scheiße.

Denn auch das Schreiben ist für mich genau das immer wieder gewesen. Geschichten erzählen, Gedanken irgendwo unterbringen, Dinge aufschreiben, für die ich vielleicht an anderer Stelle keine Worte finde. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich mich manchen Autorinnen und Autoren besonders verbunden fühle.

Und weshalb Stephen King bei mir seit Jahren ein ganz eigenes Regal im Kopf und inzwischen auch wieder ziemlich viel Platz im echten Bücherregal hat.

Zwischen all diesen Gedanken gab es an diesem Abend immer wieder Musik von David Bowie. Nicht einfach als musikalische Untermalung, sondern als Teil der Geschichte. Schätzing erzählte von seinen eigenen Erinnerungen und Verbindungen zu den Songs und machte damit aus der Lesung etwas, das sich für mich viel mehr wie ein Abend über Kreativität, Musik, Schreiben und das Leben dazwischen anfühlte.

Irgendwann gewann das Wetter dann allerdings doch.
Ich war kalt und nass und musste außerdem noch irgendwie wieder nach Hause kommen. Deshalb verließ ich die Veranstaltung ungefähr zehn Minuten vor Schluss.

Was normalerweise wahrscheinlich der Teil eines Abends wäre, über den ich mich hinterher ärgern würde.

Diesmal nicht.

Denn das, was ich von diesem Abend mitgenommen hatte, war ohnehin längst bei mir angekommen.
Ich war wegen Frank Schätzing und Spaceboy nach Potsdam gefahren.
Zurückgefahren bin ich mit ziemlich vielen Gedanken über mein eigenes Schreiben.

Und mit David Bowie im Ohr.