Abkühlung zwischen Street Art und Graffiti: Mein Besuch im Urban Nation

Es war heiß.

Nicht ein bisschen sommerlich warm, sondern diese Sorte Berliner Sommerhitze, bei der man irgendwann nur noch darüber nachdenkt, wo es möglichst kühl ist.

Ich hatte am Tag vorher extra länger gearbeitet, um mir ein bisschen Zeit für einen Ausflug freizuschaufeln.
Blieb nur die Frage: Was macht man bei dieser Hitze?
Meine Antwort war ziemlich schnell gefunden.
Museum.
Denn Museen haben neben Kunst noch einen weiteren entscheidenden Vorteil:
Sie sind klimatisiert.

Welches Museum es werden sollte, war ebenfalls schnell entschieden. Street Art begleitet mich schon ziemlich lange. Wenn ich unterwegs bin, fotografiere ich immer wieder Kunst, die mir an Hauswänden, Mauern oder irgendwo mitten in einer Stadt begegnet. In Berlin genauso wie auf Reisen.

Nicht unbedingt jeden hingeklatschten Tag oder Gekritzel. Aber Street Art, bei der ich stehen bleibe, genauer hinschaue und mich manchmal frage, welche Geschichte eigentlich dahintersteckt. Darüber habe ich auf dieser Website sogar schon einmal in meinem Artikel Wenn Mauern sprechen geschrieben.

Das Urban Nation Museum in Berlin passte also ziemlich perfekt. Und dass es dort außerdem angenehm kühl war, schadete definitiv nicht. Kunst statt Hitzewelle

Schon von außen ist das Urban Nation kaum zu übersehen. Das Gebäude selbst gehört irgendwie schon zur Ausstellung und spätestens beim Reingehen war ich ziemlich sicher, dass ich mir für meinen klimatisierten Zufluchtsort das richtige Museum ausgesucht hatte.

Ganz allein war ich mit dieser Idee allerdings nicht.

Unter anderem waren gleich zwei Schulklassen im Museum unterwegs.

Nun ja.

Dafür gibt es Kopfhörer.

Also Musik an und weiter.

Was sich im Nachhinein sogar als ziemlich gute Entscheidung herausstellte, weil meine Musik erstaunlich gut zu der Ausstellung passte.

Ich bin bestimmt eine bis anderthalb Stunden durch das Museum geschlendert, habe mir die einzelnen Arbeiten angesehen und natürlich auch fotografiert. Einige der Bilder werde ich hier zeigen, aber längst nicht alle. Schließlich soll dieser Artikel keinen kompletten virtuellen Museumsrundgang ersetzen. Außerdem gibt es einen ziemlich guten Grund, sich das Ganze selbst anzusehen: Der Eintritt ins Urban Nation ist kostenlos.

Besonders mochte ich, dass es immer wieder etwas zu entdecken gab, womit ich vorher nicht gerechnet hatte. Das galt sogar für den kleinen Garten. Dorthin führt nur ein eher unscheinbarer Durchgang und ich hätte ihn vermutlich problemlos übersehen können. Allerdings bin ich neugierig und wenn irgendwo ein Durchgang ist, muss ich offenbar wissen, was dahinter liegt.

Zum Glück. Denn draußen entdeckte ich eine Installation mit Eisenfiguren, die mir richtig gut gefallen hat.

Auch drinnen wartete irgendwann eine kleine Überraschung auf mich. Plötzlich stand ich vor einer Figur, die mir ausgesprochen bekannt vorkam. Ein Kopf, eine ziemlich große Nase, zwei Hände und der Rest verschwindet hinter einer Linie.

Kilroy.

Genau diese Figur habe ich als Jugendliche immer wieder aus purer Langeweile in meine Schulbücher gemalt. Dass ich ihr Jahrzehnte später ausgerechnet in einem Berliner Museum wiederbegegnen würde, hatte ich damals vermutlich auch nicht auf dem Zettel.

Würde ich wieder hingehen?

Am Ende habe ich bestimmt eine bis anderthalb Stunden im Urban Nation verbracht und dabei nicht nur genau die Abkühlung bekommen, die ich mir von meinem Museumsbesuch erhofft hatte. Vor allem hatte ich richtig viel Spaß dabei, durch die Ausstellung zu schlendern und immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Das Urban Nation war für mich deshalb definitiv nicht nur ein ziemlich guter Zufluchtsort während eines viel zu heißen Berliner Sommertages.

Ich würde auch bei angenehmeren Temperaturen wiederkommen. Schon allein, um zu schauen, was sich seit meinem letzten Besuch verändert hat und was es diesmal zu entdecken gibt.