Manchmal stolpert man nicht selbst über ein Buch, sondern es findet einen – so wie dieses. Claus hat es mir ans Herz gelegt und mir sogar zugeschickt. Ich war gespannt, ob seine Empfehlung meinen Geschmack trifft, und bin mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis in die ersten Seiten gestartet. Die Autorin kannte ich vorher nicht.
„Ich habe sie geliebt“ von Anna Gavalda war für mich der erste echte Einstieg in das Genre Liebesromane. Umso spannender war es für mich zu entdecken, wie sehr mich eine so stille, feinfühlige Geschichte berühren kann.
Zum Buch
Zwei Generationen, zwei Schicksale, Mann und Frau: Chloé, sitzen gelassen von ihrem Ehemann und Pierre, ihr Schwiegervater. Und ausgerechnet dieser distanzierte, kühle Pierre nimmt Chloé mit in sein Landhaus und erzählt ihr von seinem lang gehüteten Geheimnis: von der großen Liebe seines Lebens, von heimlicher Untreue und von ungelebten Träumen. Es sind zwei gegensätzliche Schicksale, die Gavalda in ihrem bekannt lakonischen, pointierten Stil beschreibt: eine doppelte Liebesgeschichte – voller Lebensklugheit und Witz.
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. K
Die Figuren
Im Kern ist es ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die einander nahe stehen und doch auf seltsame Weise fremd sind: eine Frau, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde, und ihr Schwiegervater. Statt Floskeln gibt es eine lange, ehrliche Nacht – mit Beichten, verpassten Chancen und der Frage: Was wäre gewesen, wenn?
Die Figuren wirken leise, aber sehr lebendig. Besonders berührt hat mich, wie viel Zärtlichkeit und Reue zwischen den Zeilen mitschwingt. Niemand ist hier „der Böse“ – alle tragen ihre Entscheidungen, mit all ihren Konsequenzen.
Die Sprache
Ich brauchte ein paar Seiten, um in den Rhythmus der Geschichte zu kommen – vielleicht, weil sie sehr ruhig und ohne großes Tempo erzählt wird. Gavaldas Stil ist unaufgeregt, manchmal fast beiläufig, und lebt vor allem von Dialogen. Gerade diese Schlichtheit macht den Text authentisch: keine unnötigen Ausschmückungen, sondern Sätze, die sitzen. Und wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, merkt man, wie viel zwischen den Zeilen passiert.
Mein Fazit
Eine leise, ehrliche Geschichte über Liebe, Reue und die Kunst, mit den eigenen Entscheidungen zu leben. Kein lauter Pageturner, sondern ein stilles Gespräch, das lange nachhallt. Wer zarte Zwischentöne, gute Dialoge und Figuren mag, die man nicht so schnell vergisst, ist hier richtig. Wer Action braucht, eher nicht.
Mich hat’s abgeholt – unerwartet und ziemlich direkt.
Über die Autorin
Anna Gavalda ist eine französische Bestsellerautorin, bekannt für fein beobachtete, gefühlssichere Romane und Erzählungen. Internationalen Erfolg hatte sie u. a. mit „Zusammen ist man weniger allein“; ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und teils verfilmt.