Manchmal braucht es keinen großen Plan, keinen Koffer und kein Hotel. Manchmal reicht ein Zugticket und die Entscheidung, einfach loszufahren.
Ein paar Stunden später sitze ich an der Oder, auf einer Bank in Polen, und schaue aufs Wasser.
Die Luft ist warm, fast schon nach Sommer riechend. Hinter mir verläuft eine Straße, Autos rauschen vorbei, Menschen gehen spazieren, irgendwo hört man Stimmen. Es ist nicht still – eher dieses Hintergrundrauschen einer Stadt, das plötzlich beruhigend wirkt, wenn man selbst nichts mehr erledigen muss.
Ich habe eine Apfelschorle dabei, mein Skizzenbuch und ein paar Stifte. Mehr braucht es nicht.






Frankfurt (Oder) und Słubice sind zwei Städte, die durch einen Fluss getrennt sind und doch zusammengehören. Ein paar Schritte über die Brücke, und schon ist man in einem anderen Land. Kein großes Drama, kein Gefühl von Grenze. Eher ein leiser Übergang. Deutschland hier, Polen dort – und dazwischen das Wasser, das einfach weiterfließt.
Ich laufe eine Weile am Ufer entlang, suche nach einem Café. Finde keines.
Also setze ich mich einfach wieder auf eine Bank.
Manchmal entstehen aus solchen kleinen Umwegen die besten Momente.




Vor mir zieht das Wasser ruhig seine Bahn. Die Sonne glitzert auf der Oberfläche, ein leichter Wind bewegt die Bäume. Ich schlage mein Skizzenbuch auf und beginne zu zeichnen. Nichts Großes, nur Linien, Formen, ein paar schnelle Striche. Es ist die erste Zeichnung seit über einem Jahr.
Es fühlt sich gut an.
Vielleicht, weil niemand etwas von mir erwartet. Vielleicht, weil dieser Tag keinen Zweck erfüllen muss. Kein Termin, keine Aufgabe, kein Ziel, außer ein paar Stunden draußen zu sein und zu beobachten, wie sich die Welt bewegt.
Ich bleibe noch eine Weile am Ufer sitzen, laufe ein Stück weiter, mache ein paar Fotos. Menschen sitzen auf den Wiesen, reden, lachen, genießen die Sonne. Die Stunden vergehen ruhig, fast unbemerkt.






Am Abend steige ich wieder in den Zug zurück nach Hause. Während die Landschaft am Fenster vorbeizieht, tauchen am Horizont Windräder auf, die sich langsam im Abendlicht drehen. Ich lehne mich zurück und lasse den Tag noch einmal durch den Kopf gehen.
Der Rucksack ist genauso leicht wie am Morgen. Und doch fühlt es sich an, als hätte ich etwas mitgenommen: ein paar Bilder, ein paar Gedanken – und dieses ruhige Gefühl von Reset.
Ein Städtetrip zwischen Grenzen.
Zwischen zwei Ländern.
Und irgendwo dazwischen ist auch ein kleines Stück Abstand vom Alltag.